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REGENBOGENKINO BERLIN

28. - 29. Juni 1996

"DIE KUNST DES ERINNERNS - SIMON WIESENTHAL"
Hannah Heer & Werner Schmiedel
1994, 16 mm, 99 min.

Die Regisseure werden anwesend sein.

BERLINER ZEITUNG

Ein Dokumentarfilm über Simon Wiesenthal

Die Kunst des Erinnerns
27.06.96

"Maulheldentum" warf man dem Humanisten Simon Wiesenthal in einer "Panorama"-Sendung im Februar vor. Und befand, daß dessen Verdienste beim Aufspüren von Nazi-Verbrechern aufgebauscht seien. Der abendfüllende Dokumentarfilm "Die Kunst des Erinnerns" will, so die Filmemacher Johanna Heer und Werner Schmiedel, dem Zuschauer die Freiheit lassen, sich ein eigenes Bild über den Mann zu machen, der als "Nazijäger" international bekannt geworden ist. Zwei Jahre lang begleiteten die Regisseure Wiesenthal auf seinen Reisen wider das Vergessen. Seinem Leben und Werk stehen sie mit Sympathie und Anerkennung gegenüber: "Der Begriff ,Nazijäger' geht an Wiesenthals Charakter vorbei. Er ist vielmehr ein sensitiver und intellektueller Forscher", sagt Werner Schmiedel.
Zahlreiche Zeitzeugen, wie zum Beispiel einer der Befreier des Konzentrationslagers Mauthausen, Colonel Richard Seibel, kommen zu Wort. Szenen an authentischen Schauplätzen und Filmmaterial von der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen strafen einmal mehr "wissenschaftlich untermauerte" Thesen Lügen, die die Vernichtung der Juden leugnen.
Den Schwerpunkt des Filmes bilden zwei von Wiesenthal verfolgte Fälle: Die Aufspürung Adolf Eichmanns und die Suche nach dem Mann, der Anne Frank verhaftet hatte.
Von 1941 bis 1945 war Wiesenthal in verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert. Nach seiner Befreiung durch die Amerikaner in Mauthausen bei Linz entschloß er sich, den Amerikanern bei der Suche nach Naziverbrechern zu helfen. Zwei Jahre arbeitete er für das U.S. War Crimes Office. Bereits 1947 gründete Wiesenthal in Linz das Jüdische Dokumentationszentrum. Während des Kalten Krieges war dessen Arbeit unterbrochen, 1961 wurde es neu eröffnet. Bis heute leitet Wiesenthal das Dokumentationszentrum, das sich ausschließlich aus privaten Spenden finanziert.
Eindrucksvoll zeigt der Film Stationen aus Wiesenthals Leben. Das Filmteam begleitet ihn in seine Geburtsstadt Buczacz, heute Ukraine. Dort haben die Bewohner fast alle Zeugnisse jüdischen Lebens vernichtet und ihre einzige Angst ist es, daß die ehemaligen Besitzer ihrer Wohnungen zurückkehren und Ansprüche anmelden könnten.
Ein anderer Fall von Verdrängung: Der Mann, der Anne Frank verhaftete, war bis zu seiner Aufdeckung durch Wiesenthal 1963 bei der Wiener Polizei als Kriminalrayonsinspektor beschäftigt. Das Fehlen einer Zentralen Staatsanwaltschaft verhinderte in Österreich zahlreiche NS-Prozesse.
"Verzeihen ist eine Frage der Legitimation. Hat denn jemand das Recht, im Namen eines anderen, der nicht mehr lebt, zu verzeihen?" fragt Simon Wiesenthal. Das Erinnern trägt gerade heute dazu bei, der Verfolgung von Minderheiten entgegenzuwirken. Die rückhaltlose Aufklärung von Nazi-Verbrechen und die Aburteilung der Schuldigen hätte nach Ansicht der Filmemacherin Johanna Heer vielleicht den heutigen Rechtsradikalismus verhindern können. --Andrea Puppe

28.6. bis 1.7. im Regenbogenkino. Am 29.6. und 1.7. werden die Filmemacher anwesend sein.

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